VergleichsberechnungLetzten Monat haben wir die aktuelle Diskussion in den Medien über Versicherungsberater genauer unter die Lupe genommen. Hier ging es vor allem um Kritik an der Branche und die immer steigende Belastung der Berater. Pünktlich zum Wochenanfang berichtete DIE WELT nun über eine neue Bedrohung: Vergleichsportale. Wegen der besseren Verfügbarkeit und des Komforts, aber auch aufgrund von mangelndem Vertrauen gegenüber Versicherungsunternehmen und Versicherungsmaklern wenden sich immer mehr Verbraucher an branchenübergreifende Vergleichsportale. Wir wollen uns die Rolle solcher Portale in der Versicherungsbranche anschauen und die Risiken diskutieren.

Der Boom der Vergleichsportale

Dass Vergleichsportale online eine zentrale Anlaufstelle für Kaufinteressenten sind, ist nichts Neues. Gerade im Verbraucherbereich haben sich branchenübergreifende Plattformen schon längst etabliert. Die Vorteile sind auf den ersten Blick klar: Kunden erhalten einen unabhängigen Überblick über die Angebote, können sich eine Empfehlung einholen und das Angebot mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis für ihre Bedürfnisse finden. Zusätzlich dazu sind Vergleichsportale rund um die Uhr und ortsunabhängig für jede Art von Anfrage verfügbar.

Kunden beim Online Vergleich

Auch für Versicherungskunden bieten Vergleichsportale eine attraktive Möglichkeit, sich im Angebotsdschungel zurecht zu finden. Wie bei anderen Produkten auch können Interessenten verschiedene Produkte anhand der persönlichen Vorstellungen sichten und miteinander vergleichen. Das Vergleichsportal agiert dabei faktisch als Versicherungsmakler, der den Kunden berät und bei Abschluss eine Provision erhält.

Unabhängigkeit ist relativ

Spätestens ab diesem Punkt stellt sich allerdings die Frage, inwiefern Vergleichsportale wirklich neutral sind. Über die provisionsbasierte Beratung wird seit einigen Wochen angesichts des Honoraranlageberatungsgesetzes, das am 01. August in Kraft tritt, heftig diskutiert. Ob man nun prinzipiell für oder gegen die Honorarberatung ist, eine Sache ist klar: Wer eine Dienstleistung erbringt, ist zunächst immer von der Person abhängig, die bezahlt.

Bei der Provisionsberatung sind das grundsätzlich die zahlenden Versicherungsunternehmen. Ein Versicherungsmakler, der seine Kunden persönlich berät und die individuellen Bedürfnisse kennt, kann dies natürlich mit seiner Erfahrung und Menschenkenntnis kompensieren, außerdem kann er dem Kunden seine Berechnungen ganz klar offen legen. Wie sieht das aber bei Vergleichsportalen aus, wo es mitunter nur darauf ankommt, wer in einer Liste etwas weiter oben erscheint als die anderen Wettbewerber?

Hotelbuchung im Billigwahn – ein warnendes Beispiel

Vergleichsportale und BuchungsportaleDie Entwicklung der Hotelbuchungsportale und ihre Auswirkungen auf die Reisebranche können als Exempel betrachtet werden. Wie SPIEGEL ONLINE vor einigen Wochen berichtete, hat sich aus dem anfänglichen Segen mittlerweile ein Kampf zwischen Hotels und Hotelvergleichs- und Buchungsportalen entwickelt, in dem Preisdumping eine zentrale Rolle spielt. Da den Kunden ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis sehr wichtig ist, werden die Ergebnisse in der Regel so sortiert, dass die günstigsten Angebote zuerst erscheinen. Zusätzlich zu der Provision, die das gebuchte Hotel an das vermittelnde Portal zahlen muss, sind Anbieter also außerdem in Bedrängnis, ihre Preise immer weiter zu senken um aus der Masse der Angebote hervorzustechen.

Das führt mittlerweile dazu, dass sich vor allem kleine Hotels aus dem Abhängigkeitsverhältnis lösen möchten und sich regional zu eigenen Informations- und Buchungsportalen zusammenschließen. Von den eingesparten Provisionen können natürlich auch Kunden profitieren, da die Hotels ihre Preise entsprechend angepasst gestalten können. Außerdem ist es den Hotels so möglich, den Auftritt und die Angebote speziell für ihre Zielgruppen zu gestalten, lokale Sehenswürdigkeiten besonders hervorzuheben und die Kunden mit dem Fachwissen aus ihrem Erfahrungsschatz fachgerecht zu beraten.

Klare Antwort … Oder?

Die wachsende Bedeutung von Vergleichsportalen lässt sich nicht leugnen. Gerade in Hinblick auf spezifische Expertise und individuelle Bedürfnisse ist allerdings fragwürdig, ob branchenfremde Vergleichsportale mit einem breiten Angebotsspektrum Versicherungskunden fachgerecht und flexibel beraten können. Wie sieht es also mit brancheneigenen Vergleichsportalen aus? Steht den Versicherungsunternehmen ein ähnlicher Weg wie der Hotelbranche bevor? Von externen Portalen, die auf Provisionsbasis arbeiten, hin zu einem brancheninternen Portal, das auf Fachwissen und Erfahrung in diesem spezifischen Bereich aufbaut und es dem Kunden ermöglicht, direkten Kontakt zu den Versicherern aufzunehmen – das klingt doch eigentlich nach einer guten Lösung sowohl für Kunden als auch für Versicherungsunternehmen. Oder?

Warum es nicht ganz so einfach ist, wollen wir nächste Woche genauer erläutern. Im zweiten Teil dieser kurzen Artikelreihe gehen wir der Frage nach brancheninternen Vergleichsportalen genauer nach und suchen nach einem Lösungsansatz aus einer kniffligen Situation. Schauen Sie also in einigen Tagen wieder vorbei! In der Zwischenzeit freuen wir uns auf eine angeregte Diskussion. Wie stehen Sie zu branchenübergreifenden Vergleichsportalen? Sind Sie begeisterter Nutzer oder sehen Sie gegenüber der persönlichen Beratung gefährliche Lücken?