Lockender BestpreisIm ersten Teil dieser Kurzreihe haben wir die wachsende Popularität von Vergleichsportalen beschrieben. Nachdem wir Ihnen letzte Woche einen Überblick über das Thema gegeben haben, möchten wir diese Woche tiefer in die Materie einsteigen. Wie stehen branchenübergreifende Vergleichsportale im Verhältnis zu branchenspezifischen oder sogar brancheninternen Portalen? Kann das optimale Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich eruiert werden – und ist das überhaupt das Ziel? Das sind die Themen, die wir in diesem Artikel betrachten möchten, bevor wir uns beim nächsten Mal der Rolle des Beraters im modernen Versicherungsgeschäft widmen.

Objektivität liegt im Auge des Betrachters

Letzte Woche haben wir unter anderem die Entwicklung von Vergleichsportalen in der Hotelbuchung angesprochen. Hier bilden sich mittlerweile brancheneigene Portale aus Zusammenschlüssen verschiedener Hotelanbieter, die sich aus dem Abhängigkeitsverhältnis zu großen Buchungsportalen lösen wollen. Ist das auch für Versicherungen ein sinnvoller Weg?

Neutraler Vergleich?In der Vergangenheit gab es bereits solche brancheneigenen Angebote wie beispielsweise transparo, eines der ersten Versicherungs-Vergleichsportale, das 2011 von HDI, HUK-Coburg und WGV mehrheitlich übernommen wurde. Die Neutralität und Objektivität des Versicherungsvergleichs wurden vom TÜV Saarland und einer Ratingagentur zertifiziert und transparo selbst gab, wie auch Verbraucherschützer, die Empfehlung, mehrere Vergleichsportale zu nutzen und die unterschiedlichen Ergebnisse wiederum untereinander zu vergleichen. Dennoch zweifelten Kunden daran, dass die Unabhängigkeit des Portals nicht durch die Mehrheitseigentümer kompromittiert sei – unter anderem, da deren Produkte oft weit oben im Vergleich auftauchten. Das führte schließlich in diesem Jahr zur Übernahme von transparo durch das branchenübergreifende Vergleichsportal Verivox.

Es scheint als ob brancheneigene Vergleichsportale, die vom Expertenwissen verschiedener Versicherungsunternehmen und Versicherungsberater profitieren können, bei Verbrauchern zum Scheitern verurteilt sind. Mit der wichtigste Grund für die Nutzung von Vergleichsportalen ist schließlich, das Angebot mit dem idealen Preis-Leistungs-Verhältnis zu finden. Wenn die Unabhängigkeit in Augen des Kunden nicht gewährleistet ist, ist auch nicht garantiert, dass das empfohlene Produkt tatsächlich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis darstellt.

Ist unabhängig immer gleich neutral?

Auch bei branchenfremden Vergleichsportalen ist das allerdings nicht vorausgesetzt – was hier aufgrund der suggerierten Unabhängigkeit für den Verbraucher mitunter gefährlich ist. Von undurchsichtigen Berechnungen bis hin zu versteckter Werbung muss der interessierte Kunde die Angebote sehr bewusst durchforschen, um wirklich das zu finden, wonach er sucht. Hinzu kommen natürlich auch noch externe Faktoren: Welche Anbieter stellen ihre Produkte überhaupt erst in die Vergleichsportale ein? Wie aktuell sind diese Angebote? Welche Versicherungsunternehmen können und wollen die Provision zahlen, die ein solches Portal fordert?

„Wer Vergleichsrechner nutzt oder Ratings zur Grundlage seiner Entscheidung macht, übersieht, dass, egal was gerade verglichen wird, nur der Inhalt zählt, dieser aber nicht alleinige Bewertungsgrundlage des Vergleichs ist“, erklärt Frank Dietrich, Fachmakler, Geschäftsführer bei PremiumCircle Berlin. „Insbesondere bei Versicherungen zeigt sich immer wieder, dass jeder der Anbieter durchaus auf dem ersten Platz zu finden sein kann, stimmt das ‚Gemenge‘ der Parameter, die zum Vergleich genutzt werden.“

Preis über Leistung

Absicherung im AlterSomit bleibt auch bei unabhängigen Portalen fraglich, ob sie wirklich das bestmögliche Preis-Leistungs-Verhältnis für den jeweiligen Kunden ermitteln. Gerade in Hinblick auf Vergleichsportale ist dieses optimale „Preis-Leistungs-Verhältnis“, dem die Verbraucher hinterherjagen, ohnehin ein Thema für sich. In der Regel geht es hier ja vorrangig um den Preis, die tatsächliche Leistung nimmt eher eine unterstützende Rolle ein. Zu leicht passiert es, dass Kunden immer weiter nach dem günstigsten Angebot suchen und dabei die fachliche Beratung einbüßen. Fast noch schlimmer: Die Verbraucher informieren sich oft selbst nicht ausreichend. Ein guter Preis, eine vielversprechende Rendite, eine hohe Platzierung in der Vergleichsliste – all das kann unmittelbar und kurzfristig verlockend wirken und zum Abschluss bewegen, ohne das Angebot vorher genauer zu recherchieren.

Dabei ist es natürlich gerade bei Finanzanlagen und Versicherungen wichtig, genau hinzuschauen. Einerseits geht es hier mitunter um beträchtliche Geldanlagen, vor allem aber dienen Produkte in diesem Bereich ja der persönlichen Absicherung, in der Regel für Notfälle oder für den Ruhestand. Auch wenn hohe Zinsaussichten oder niedrige Prämien locken – wer am Ende nicht im Regen stehen will, sollte genau hinschauen. Wie kolossal überstürzte Entscheidungen sonst schief gehen können, lässt sich unter anderem am Beispiel von Infinus ablesen.

Auch, wer über einige Tage hinweg Versicherungspolicen im Internet vergleicht, ist eher ein interessierter Laie als ein Experte. Deswegen ist eine Detailberatung bei bestimmten Produkten einfach nötig. Das Vergleichsportal nimmt die Rolle eines Versicherungsmaklers auf Provisionsbasis ein, aber kann es damit auch den Berater aus Fleisch und Blut ersetzen? Ab wann überwiegen die komfortbedingten Vorteile der Vergleichsportale die Absicherung durch die Expertenberatung?

Im dritten und letzten Teil dieser Serie erforschen wir die Rolle des Beraters in verschiedenen Formen etwas genauer und geben einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen in den nächsten Jahren. Schauen Sie auch nächste Woche wieder vorbei!