Nervöse BewerberinNachdem das Feedback zu den Bewerbungstipps letzten Monat sehr positiv war, haben wir uns entschieden auch die anderen Schritte des Bewerbungsprozesses durchzugehen. Die trickreiche Sache bei Ratschlägen zu Bewerbungen ist ja, dass die, die gute Bewerbungen schreiben, wenige schreiben und daher nicht so viel Erfahrung haben. Wer viele Bewerbungen schreiben muss, sollte Ihnen nicht unbedingt Tipps dazu geben… Deswegen sind Hinweise aus Arbeitgebersicht so nützlich: Wir lesen in unserem Team wöchentlich mehrere Bewerbungen und führen Gespräche mit vielversprechenden Kandidaten. Bei Mikogo folgt auf die schriftliche Bewerbung – wie auch bei vielen anderen Unternehmen – zunächst das Telefoninterview.

Hier führen verschiedene Mitarbeiter Telefoninterviews – je nachdem, in welchem Fachbereich ein Bewerber arbeiten möchte, spricht er nicht nur mit unserer Personalmanagerin, sondern mitunter auch gleich mit der Person, mit der er später direkt zusammenarbeiten wird. Wir haben Tipps aus unserem Team zusammengestellt, damit Sie von unseren Erfahrungen profitieren können.

1. Der Ton macht die Musik

Da Sie beim Telefongespräch keinen visuellen Eindruck machen können, liegt viel mehr Gewicht auf der Akustik. Stellen Sie sicher, dass Sie für die Dauer des Telefoninterviews ungestört sind – keine lauten Geräusche, keine Gespräche im Hintergrund – und dass die Akustik im Raum geeignet für ein Telefongespräch ist.

Christiane Hahnenkamp

„Die Sprachqualität hängt oft vom Telefon ab. Festnetz macht in der Regel einen professionelleren Eindruck als eine mobile Nummer. Wenn Ihnen nur ein Handy zur Verfügung steht, achten Sie auf jeden Fall darauf, dass der Empfang gut ist und die Lautstärke ausreicht. Wenn Sie unsicher sind, machen Sie lieber einen kurzen Probeanruf mit einem Bekannten.“

CHRISTIANE HAHNENKAMP, PERSONALWESEN

Wenn der Empfang und die Lautstärke stimmen, ist der erste Schritt schon getan. Aber auch wie Sie sprechen hat einen großen Einfluss auf das Gespräch. Schließlich kann Ihr Gesprächspartner Sie ja nicht sehen – überzeugen Sie also mit Ihrer Stimme!

Bernadette Rübsaamen

„Beim Telefoninterview ist auch Ihr Tonfall extrem wichtig. Lächeln Sie, auch wenn der Gesprächspartner Sie nicht sieht: Der Unterschied ist hörbar! Wenn Sie lächeln, hinterlassen Sie von Anfang an einen freundlichen und offenen Eindruck, auch am Telefon.“

BERNADETTE RÜBSAAMEN, KEY ACCOUNT MANAGER

2. Bleiben Sie professionell…

Beim Telefoninterview ist die Atmosphäre vielleicht lockerer als beim traditionellen Vorstellungsgespräch, allein schon weil Sie in einer vertrauten Umgebung sind. Trotzdem sollten Sie professionell bleiben. Lassen Sie sich nicht von Ihrem Kühlschrank oder Ihrem E-Mail-Programm ablenken.

Bernadette Rübsaamen

„Wenn es Ihnen hilft, dann tun Sie so als wäre das Telefoninterview ein direktes Gespräch oder zumindest ein Videointerview. Kleiden Sie sich so, wie Sie es für ein Gespräch vor Ort tun würden. Räumen Sie Ihren Schreibtisch auf und stellen Sie ein Glas Wasser bereit. Wenn Sie sich selbst professionell fühlen, findet das Gespräch auch gleich auf einer anderen Ebene statt.“

BERNADETTE RÜBSAAMEN, KEY ACCOUNT MANAGER

3. … aber mit Persönlichkeit

Ihr Gesprächspartner will (hoffentlich) keine reine Arbeitsmaschine einstellen, sondern einen Kollegen, ein Teammitglied. Da kann ein Bewerber noch so qualifiziert sein: Teamarbeit nimmt oft die oberste Priorität ein, und da müssen Persönlichkeiten einfach zueinander passen. Deswegen ist ein Telefoninterview oft auch eine gute und wichtige Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzulernen. Denken Sie immer daran: Ihr Gesprächspartner kennt Sie nicht. Er weiß über Sie nur das, was er aus Ihrem Lebenslauf und dem Anschreiben schlussfolgern kann. Vielleicht hat er auch Ihr Profil in einem beruflichen Netzwerk gefunden, aber spätestens da ist dann die Grenze. Aber: das Unternehmen will Sie kennenlernen, nicht nur Ihren beruflichen Werdegang und Ihre Qualifikationen. Auch wenn Sie sich denken „wieso sollte ich das denn erzählen?“ – die persönliche Ebene gehört einfach mit dazu.

Christiane Hahnenkamp

„Ich bitte Bewerber zum Einstieg gerne, etwas über sich selbst zu erzählen. Wie jemand zu seiner aktuellen Situation gekommen ist, sagt sehr viel aus, vor allem wenn er oder sie es in eigenen Worten erzählt. Wir wollen ein Bild von der Person bekommen, mit der wir sprechen und in Zukunft vielleicht jeden Tag zusammenarbeiten. Das sollte auch nicht unbedingt eine Nacherzählung des Lebenslaufs sein, persönliche Entwicklung und Hobbies sind da auch sehr wichtig.“

CHRISTIANE HAHNENKAMP, PERSONALWESEN

Stichpunkt Hobbies: Sie sind ja sicherlich kein reines Arbeitstier. Was Sie in Ihrer Freizeit machen, formt Ihre Persönlichkeit. Vielleicht haben Ihre Hobbies und Ihr Berufswunsch sogar Bezug zueinander?

Mark Zondler

„Wenn Sie persönliche Interessen haben, die in das Umfeld des Unternehmens passen, hinterlässt das immer einen positiven Eindruck. Als Software-Unternehmen erwarten wir beispielsweise eine gewisse IT-Affinität. Wenn Sie Branchenblogs lesen oder sich auch in Ihrer Freizeit viel mit Technik beschäftigen, lassen Sie es uns wissen.“

MARK ZONDLER, GESCHÄFTSFÜHRER

4. Bereiten Sie sich vor…

In dem Telefoninterview geht es erst einmal um ein gegenseitiges Kennenlernen. Der Gesprächspartner hat Ihren Lebenslauf und Ihr Anschreiben gelesen, einen Blick in Ihre Zeugnisse und Referenzen geworfen – und Sie haben sich hoffentlich auch über Ihren potenziellen Arbeitgeber informiert. Telefoninterviews haben einen riesigen Vorteil: Sie können Ihre Notizen nebenbei konsultieren. Notieren Sie sich schon einmal die wichtigsten Eckdaten und Informationen zum Unternehmen, die Ihnen aufgefallen sind. Auch wichtig und vielleicht nicht ganz so offensichtlich: Bereiten Sie Ihren eigenen Lebenslauf vor. Gehen Sie durch, was Sie an Qualifikationen und Fähigkeiten angegeben haben und seien Sie darauf eingestellt, auf einzelne Stationen einzugehen. Eine Frage zu Ihrem Lebenslauf sollte Sie nie überrumpeln.

Mark Zondler

„Man sollte sich über die Firma, deren Produkte, Kunden und Mitarbeiter informieren; in unserem Fall bedeutet das: Software ausprobieren, idealerweise Zielkundengruppen und Anwendungsfälle verstehen, vielleicht eine Fallstudie lesen, die aktuellsten Pressemitteilungen anschauen und sich über das Team informieren. Leider bereiten sich die wenigsten Bewerber in dieser Hinsicht richtig vor. Wer einen Überblick hat, sticht schon positiv aus der Masse hervor.“

MARK ZONDLER, GESCHÄFTSFÜHRER

Das Unternehmen steckt den Rahmen für Ihre Tätigkeit ab. Sie müssen nicht den Lebenslauf jedes Mitarbeiters kennen, aber wenn Sie ein bis zwei Stunden in die Recherche investieren, wissen Sie schon mehr als der Großteil Ihrer Mitbewerber. Vergessen Sie darüber hinaus aber nicht die konkrete Stelle, auf die Sie sich bewerben.

Christiane Hahnenkamp

„Lesen Sie zur Vorbereitung auch die Stellenausschreibung noch einmal gut durch. Überlegen Sie sich, was genau Sie anspricht und in welchem Aufgabenbereich Sie sich vor allem sehen. Besonders positiv ist es, wenn Sie Fähigkeiten und Stationen in Ihrem Lebenslauf auf die Stellenausschreibung beziehen können. So sehen wir, dass die Stelle Sie auch persönlich anspricht und Sie mit Ihren spezifischen Erfahrungen ein guter Kandidat für diese Position sind.“

CHRISTIANE HAHNENKAMP, PERSONALWESEN

5. … und bleiben Sie spontan

Kaum ein Telefoninterview ist wohl komplett planbar. Genauso ist es ja auch mit Ihrer Tätigkeit später, und manche Arbeitgeber wollen auch im Telefonat schon sehen, wie Sie mit unerwarteten Situationen umgehen. Absolut kein Grund zur Panik: Wenn Sie sich gut vorbereitet haben, Ihren Lebenslauf kennen, das Unternehmen etwas recherchiert haben und die Stellenausschreibung gut gelesen haben, wird es Ihnen nicht schwer fallen, spontan zu sein.

Bernadette Rübsaamen

„Wenn jemand auf seinem Lebenslauf sehr gute Sprachkenntnisse angibt, dann wechseln wir im Telefoninterview auch mal die Sprache. Gerade Englischkenntnisse sind bei uns sehr wichtig. Abgesehen davon sind die meisten Fragen aber keine reine Wissensprüfung, sondern eher ein Denktest. Wir wollen sehen, wie ein Bewerber mit der Frage umgeht – auch wenn er die Antwort nicht weiß. Mut zur Lücke und kluge Nachfragen sind da in der Regel besser als halbinformiertes Rumgedruckse.“

BERNADETTE RÜBSAAMEN, KEY ACCOUNT MANAGER

Zum Abschluss noch ein paar Worte zum Thema Nervosität: Machen Sie sich keine Sorgen. Sie wollen eine Stelle. Ihr Gesprächspartner hat eine Stelle, die er besetzen möchte. Also optimale Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit! Niemand will Sie auflaufen lassen oder scheitern sehen. Wenn Sie das Unternehmen sympathisch finden und gut zum Team passen, gewinnt jeder. Also lockern Sie sich ein wenig auf, bereiten Sie sich gut vor, und gehen Sie gelassen an die Sache heran.

Das bringt uns zu unserem letzter Tipp für heute: Fragen Sie nach, wie es weitergeht. Wann hören Sie wieder voneinander? Wird gegebenenfalls ein Termin vor Ort vereinbart? Natürlich sollten Sie nicht direkt zu forsch fragen, aber es ist nur verständlich, dass Sie im Bilde bleiben wollen – und so zeigen Sie auch, dass Sie sich wirklich für die Stelle interessieren. Wenn Sie wissen, wie lang die Entscheidungswege sind, sitzen Sie nicht die nächsten zwei Wochen auf glühenden Kohlen.

Haben Sie noch Tipps für Bewerber, oder auch Fragen aus Bewerbersicht? Dann hinterlassen Sie uns einen Kommentar!